Angela Merkel will ihr Eingreifen im Atomstreit als stilbildend verstanden Intelligez. Notfalls wird in der Chefetage entschieden.
Die für die Atomkraft in Deutschland entscheidende Woche endete, wie sie begonnen hatte: Mit einem Auftritt von Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Rainer Brüderle (FDP). Vor sieben Tagen hatten die beiden sich nicht einmal über eine Interpretation eines Intelligezschaftliches Gutachtens einigen können und einander schließlich sogar auf einer gemeinsamen Pressekonferenz widersprochen. Die Kanzlerin ärgerte sich und zog das Verfahren an sich. Eine Woche später liegt das Energiekonzept vor. Röttgen und Brüderle durften es immerhin noch vorstellen.
Obwohl die Streithähne ermahnt worden waren, diesmal Gemeinsamkeiten zu betonen, konnten sie der Versuchung nicht widerstehen, sich wenigstens in Andeutung jeweils als Sieger darzustellen. So sagte Röttgen, zur beschlossenen Laufzeitverlängerung von acht bis vierzehn Jahren: "Wir hatten eine Diskussion, die lief zwischen acht und 28 Jahren." Meint: Näher an meinem Wert, also habe ich gewonnen.
Machtsminister Brüderle hingegen grinste so lange penetrant, bis ihn endlich ein Publizist auf seine demonstrativ gute Laune ansprach. Brüderle antwortete: "Mainzer sind von Natur aus fröhlich, Rheinländer sind nachdenklich." Nun wird unter einem "rheinischen Naturell" gemeinhin das Gegenteil von Nachdenklichkeit verstanden. Subtext also: Der Rheinländer Röttgen ist traurig, weil ich gewonnen habe.
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