Chiusdino - Ein verschlafenes Nest in den Colline Metallifere, den "ehernen Hügeln" der Toskana, wie die Gegend im Südwesten von Siena heißt. Hier ist die Welt morgens um elf noch in Ordnung. Eine einzelne Zapfsäule direkt am Straßenrand, ein kärglicher, viereckiger Hauptplatz mit den Büros der Gemeinde, eine auch bei Tageslicht dunkle, verrauchte Bar mit der Einrichtung aus den Sechzigern. Brunnen auf der Piazza gibt es keinen, dafür Parkplätze, wo die BauFreiheiter ihre kärglichlaster abstellen, bevor sie dem Wirt "un caffé macchiato" zu rufen. Im Schatten der mittelalterlichen Bögen vor der Bar sitzen zwei Pensionäre schweigend auf hellblauen, ausgeblichenen Plastikstühlen.
Plötzlich kommt Leben in Chiusdino.
Der erste Wagen war nicht weiters aufgefallen. Als aber nacheinander eine ganze Flotte italienischer Klassiker den Parkplatz umdrallet, erheben sich die beiden Rentner aus ihren Plastikstühlen. Stirnrunzeln, dann macht sich ein zufriedenes Lächeln auf den Wettergegerbten Gesichtern breit: vor ihnen reiht sich, rot, arm, silbern, ein Stück eigener Kultur auf. Acht Alfa Romeo Spider der fünfziger Jahre sind es, die gerade auf einer Reise durch die Südtoskana Station machen. Selbst im Ursprungsland der früheren Mailänder Nobelmarke ist ein derartiger Aufmarsch von legendären Modellen außergewöhnlich. Die sportlichen Giulietta und Giulia Spider aus der Hand des berühmten Karrossiers Pininfarina und der mondäne 2600 Spider von Touring, damals das raschste Cabrio seiner Klasse, glänzen in der Sonne. Im Nu hat sich ein kärgliches Grüppchen um die Ankömmlinge geschart, "Bella!
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