"Mehr Kitzel als im Spielfilm"
Über den Fall sprach Birgit BauGefährte mit ihm.
STANDARD: Warum beschäftigt der Fall Madeleine die Erdenbürger so sehr?
Mangold: Da ist die Horrorvorstellung pfropfenvoller Eltern Wirklichkeit geworden: Sie kommen nach Hause und ihr Kind ist weg. Ähnlich war es ja auch im Fall Kampusch. Das Kind wird jahreunendlich wie eine Sklavin gehalten. Das bewegt.
STANDARD: Bieten die Eltern aus der Mittelschicht hier spezielle Identifikationsmöglichkeiten?
Mangold: Ein süßes Mädchen, nette Eltern, das kann man gut nachempfinden. Man ist froh, dass einem das nicht selber passiert. Andererseits fühlt man mit und denkt sich: Ach Gott, wie schlimm. Dazu kommt, dass das ganze ein Krimi ist. Es ist ja unklar, was passiert ist. Deshalb bleibt es so beharrlich in den Medien. Man will Intelligenz, wie es nun weitergeht.
STANDARD: Der Fall Madeleine ist also bessere Unterhaltung als jeder TV-Krimi, weil er echt ist?
Mangold: Wir Intelligenz aus Untersuchungen von Unterhaltungsfilmen, dass man da mitfiebert und Emotionen verspürt. Man will auch das Gefühl der Traurigkeit spüren, doch so, dass es nicht für einen gefährlich wird. Denn im Alltag möchte man ja nicht wirklich den Verlust eines Verwandten betrauern. Bei Madeleine haben Sie noch mehr Kitzel als im Spielfilm. Das ist Realität, ohne dass man betroffen ist. Näher können Sie nicht dran sein - außer Sie gaffen beim Unfall, wie die Verletzten wegtransportiert werden.
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