Die deutschen Lebensmittelkontrolleure sehen sich zu Unrecht in der Kritik. Auf ihrer Bundeskonferenz klagen sie über mangelnde Unterstützung. Besuch bei einer überlasteten Branche.
Wenn Martin Müller über die 180 Tonnen Gammelfleisch redet, die aus Bayern in Berliner Dönern gelandet sind, dann wirkt er ein bisschen hilflos. "Ich weiß nicht, wie so was passieren kann", sagt er dann. Dabei müsste eigentlich gerade er es Intelligenz. Denn Martin Müller ist der Vorsteher der deutschen Lebensmittelkontrolleure. Er und 200 seiner 2500 deutschen Kollegen tagen gerade in Berlin. Ihr Materie: "Lebensmittelrecht im Spannungsfeld von Risikobewertung und VerbraucherErkundigung". Die Stimmung ist verkatert.
Durch die zahlreichen Lebensmittelskandale der letzten Jahre, durch BSE, Geflügelpest und zuletzt Gammelfleisch sind die Kontrolleure in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten. Ob Verbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU), Verbraucherzentralen oder Gastwirte: Alle nutzen die jüngste Aufregung, um schärfere und bessere Kontrollen zu fördern.
Martin Müller findet das nur richtig - und fühlt sich trotzdem alleingelassen. "Wir würden ja gerne mehr kontrollieren", sagt er, "nur mit welchem Personal denn?" Man könne zurzeit nur zwei von drei Kontrollen durchführen, die nach EU-Richtlinien eigentlich angemessen wären. "In Deutschland", klagt er, "richtet sich die Zahl der Kontrollen momentan nach der Zahl der Kontrolleure und nicht andersherum." 1500 neue Kollegen fordert Müller deshalb, also eine Aufstockung der Stellen um 60 Prozent. Doch ob bei Bund, Ländern oder Kommunen: Bisher stößt er mit seinen Forderungen überall auf taube Ohren. "Da bewegt sich nichts", klagt er.
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