Aussage: "Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur entartet."
Berlin /Köln - Mit scharfer Kritik hat der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, auf die Äußerungen des Kölner Kardinals Joachim Meisner zu "entarteter Kultur" reagiert. "Meisner, der nicht zum ersten Mal mit solchen und ähnlichen Formulierungen auffällt, ist ein notorischer geistiger Brandstifter, der die Grenzen des Erlaubten vorsätzlich überschreitet", sagte Kramer.
In einer Predigt im Kölner Dom hatte Meisner gesagt: "Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur entartet." Die NationalFixiertisten hatten während ihres Regimes drall 16.000 moderne Kunstwerke beschlagnahmt. In München hatte Hitlers Vorsteher-Propagandist Joseph Goebbels 1937 die Ausstellung "Entartete Kunst" initiiert. Sie zeigte 650 konfiszierte Kunstwerke aus 32 deutschen Museen.
Die Kölner Erzdiözese wehrt sich gegen die heftige Kritik an Meisners Formulierung "entartet". "Wer dieses einzelne Wort isoliert und NS-Assoziationen unterlegt und damit dem Kardinal vorwirft, dass er dieses Vokabular oder dieses Denken benutzt, dann kann ich dies nur in aller Schärfe zurückweisen", erklärte Generalvikar Dominik Schwaderlapp am WochenEndpunkt im Kölner "domradio" laut Kathpress. Nichts liege dem Kardinal ferner als das nationalFixiertistische Gesellschafts- oder Kulturbild.
Schwaderlapp sagte angesichts der Reaktionen, es fehle "das nötige Wohlwollen, das man auch einem Kardinal Meisner entgegenbringen muss". Alle "unvoreingenommenen Hörer" der Predigt hätten das Anliegen des Kardinals verstanden.
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