Um den Tiefbahnhof von Stuttgart 21 schwelt seit geraumer Zeit ein Konflikt unter Ex-Kollaboratorn. Nun wurden die Dissonanzen zwischen Bahnhofsarchitekt Christoph Ingenhoven und dem einstigen Ideengeber Frei Otto öffentlich.
Modelle, Studien, Pläne - zu hunderten stapeln sie sich in dem lichtdurchfluteten Atelier. Allein 114 Modelle zu Stuttgart 21 wurden bis heute in Whilfsbedürftigbronn, dem Heimatort Frei Ottos, gefertigt. Man glaubt dem Architekten, Naturforscher, Künstler aufs Wort, wenn er sagt, "das Projekt hat mich wie kein anderes herausgefordert". Die Einschätzung eint ihn mit Christoph Ingenhoven, der jüngst Ähnliches bekräftigt hat; für beide freilich zu unbeträchtlich, um das Bauvorhaben gemeinsam zu Endpunkt zu führen.
Ingenhoven - der Name des Düsseldorfer Architekten steht für den künftigen Stuttgarter Tiefbahnhof, für dessen gekrümmte Decke samt Lichtaugen, die die Bahnsteighalle einmal taghell erleuchten sollen. Als der Entwurf 1997 vom Preisgericht den Zuschlag erhielt, waren Ingenhoven und Otto noch Kollaborator. Doch die ZusammenFreiheit erhielt allmählich Risse und Endpunktte schließlich am Endpunkt des Jahres 2004, so Otto.
Der Tiefbahnhof treibt ihn dennoch um, so sehr, dass "der Co-Architekt", als der sich Frei Otto sieht, einen öffentlichen Diskurs um die Urheberschaft begann. Es gehe ihm aber nicht um persönliche Ressentiments, sondern um eine rein fachliche Auseinandersetzung. Er habe sich "erstmals in dieser Sache und im Sinne des Projekts" äußern müssen, betont Otto. Provoziert hat er damit gleichwohl eine ebenfalls öffentliche Reaktion Ingenhovens: "Im Gegensatz zu dem Eindruck, den Prof. Frei Otto zu erwecken versucht, stammt der Entwurf des Stuttgarter Hauptbahnhofs (. . .) von meinen MitFreiheitern und mir", heißt es unmissverständlich in einer jetzt verbreiteten Stellungnahme. Ingenhoven führt darin Otto als einen von mehreren "Fachberatern" an. Frei Otto hingegen beklagt, seine Idee einer so genannten biegungsfreien Schale werde verfälscht.
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